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Winkelgeschwindigkeit

Winkelgeschwindigkeit – Geschwindigkeit einer Drehbewegung

Was ist die Winkelgeschwindigkeit?

Die Winkelgeschwindigkeit beschreibt, wie schnell sich der Drehwinkel eines Körpers innerhalb einer bestimmten Zeit verändert. Sie ist eine grundlegende physikalische Größe zur Beschreibung rotatorischer Bewegungen.

Während die lineare Geschwindigkeit angibt, welche Strecke ein Körper pro Zeiteinheit zurücklegt, beschreibt die Winkelgeschwindigkeit die Winkeländerung pro Zeiteinheit.

Das Formelzeichen der Winkelgeschwindigkeit ist:

[
\omega
]

Der griechische Buchstabe wird als Omega ausgesprochen.

Die SI-Einheit der Winkelgeschwindigkeit lautet:

[
\text{Radiant pro Sekunde}
]

beziehungsweise:

[
\text{rad/s}
]

Die Winkelgeschwindigkeit ist unter anderem von Bedeutung bei:

  • CNC-Spindeln
  • Rundtischen
  • Drehachsen
  • Werkzeugrevolvern
  • Elektromotoren
  • Getrieben
  • Robotergelenken
  • angetriebenen Werkzeugen
  • Drehmaschinen
  • Fräsmaschinen
  • Schleifmaschinen
  • Turbinen
  • Wellen und Lagern

Grundformel der Winkelgeschwindigkeit

Die Winkelgeschwindigkeit ergibt sich aus der Änderung des Drehwinkels innerhalb einer bestimmten Zeit:

[
\omega = \frac{\Delta \varphi}{\Delta t}
]

Dabei gilt:

  • (\omega): Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • (\Delta \varphi): Änderung des Drehwinkels in Radiant
  • (\Delta t): benötigte Zeit in Sekunden

Dreht sich ein Körper innerhalb von zwei Sekunden um einen Winkel von (\pi) Radiant, ergibt sich:

[
\omega = \frac{\pi}{2}
]

[
\omega \approx 1{,}57\ \text{rad/s}
]

Was ist ein Radiant?

Ein Radiant ist eine Einheit zur Angabe eines Winkels. Im Maschinenbau werden Winkel häufig in Grad angegeben. Für physikalische Berechnungen wird dagegen meistens das Bogenmaß in Radiant verwendet.

Eine vollständige Umdrehung entspricht:

[
360^\circ = 2\pi\ \text{rad}
]

Daraus ergeben sich folgende Umrechnungen:

Winkel in GradWinkel in Radiant
0 rad
45°(\pi/4) rad
90°(\pi/2) rad
180°(\pi) rad
270°(3\pi/2) rad
360°(2\pi) rad

Ein Radiant entspricht ungefähr:

[
1\ \text{rad} \approx 57{,}3^\circ
]

Umrechnung von Grad in Radiant

Ein Winkel in Grad wird mit folgender Formel in Radiant umgerechnet:

[
\varphi_{\text{rad}} = \varphi_{\text{Grad}} \times \frac{\pi}{180^\circ}
]

Beispiel für 90°:

[
\varphi_{\text{rad}} = 90^\circ \times \frac{\pi}{180^\circ}
]

[
\varphi_{\text{rad}} = \frac{\pi}{2}
]

[
\varphi_{\text{rad}} \approx 1{,}571\ \text{rad}
]

Umrechnung von Radiant in Grad

Ein Winkel im Bogenmaß wird mit folgender Formel in Grad umgerechnet:

[
\varphi_{\text{Grad}} = \varphi_{\text{rad}} \times \frac{180^\circ}{\pi}
]

Beispiel:

[
\varphi_{\text{Grad}} = \pi \times \frac{180^\circ}{\pi}
]

[
\varphi_{\text{Grad}} = 180^\circ
]

Zusammenhang zwischen Winkelgeschwindigkeit und Drehzahl

In der Zerspanung wird die Drehgeschwindigkeit einer Spindel normalerweise als Drehzahl in Umdrehungen pro Minute angegeben.

Die Winkelgeschwindigkeit lässt sich aus der Drehzahl berechnen:

[
\omega = \frac{2\pi n}{60}
]

Dabei gilt:

  • (\omega): Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • (n): Drehzahl in min⁻¹
  • (\pi): Kreiszahl, ungefähr 3,1416
  • 60: Umrechnung von Minuten in Sekunden

Da eine vollständige Umdrehung einem Winkel von (2\pi) Radiant entspricht, wird die Anzahl der Umdrehungen mit (2\pi) multipliziert.

Beispiel: Winkelgeschwindigkeit einer Frässpindel

Eine Frässpindel dreht sich mit:

[
n = 3000\ \text{min}^{-1}
]

Die Winkelgeschwindigkeit beträgt:

[
\omega = \frac{2\pi \times 3000}{60}
]

[
\omega = 100\pi
]

[
\omega \approx 314{,}16\ \text{rad/s}
]

Die Spindel legt somit pro Sekunde einen Drehwinkel von ungefähr 314,16 Radiant zurück.

Da eine Umdrehung (2\pi) Radiant entspricht, sind dies:

[
\frac{314{,}16}{2\pi} = 50\ \text{Umdrehungen pro Sekunde}
]

Umrechnung der Winkelgeschwindigkeit in Drehzahl

Ist die Winkelgeschwindigkeit bekannt, kann die Drehzahl berechnet werden:

[
n = \frac{\omega \times 60}{2\pi}
]

Beispiel:

[
\omega = 104{,}72\ \text{rad/s}
]

Dann gilt:

[
n = \frac{104{,}72 \times 60}{2\pi}
]

[
n \approx 1000\ \text{min}^{-1}
]

Winkelgeschwindigkeit und Umlaufzeit

Die Umlaufzeit oder Periodendauer beschreibt, wie lange ein Körper für eine vollständige Umdrehung benötigt.

Das Formelzeichen ist:

[
T
]

Die Winkelgeschwindigkeit ergibt sich aus:

[
\omega = \frac{2\pi}{T}
]

Umgekehrt gilt:

[
T = \frac{2\pi}{\omega}
]

Bei einer Drehzahl von 3.000 min⁻¹ werden 50 Umdrehungen pro Sekunde ausgeführt.

Die Zeit für eine Umdrehung beträgt:

[
T = \frac{1}{50}
]

[
T = 0{,}02\ \text{s}
]

Eine vollständige Umdrehung dauert somit 20 Millisekunden.

Winkelgeschwindigkeit und Frequenz

Die Frequenz gibt an, wie viele vollständige Umdrehungen oder Schwingungen pro Sekunde ausgeführt werden.

Das Formelzeichen lautet:

[
f
]

Die Einheit ist Hertz:

[
1\ \text{Hz} = 1\ \text{s}^{-1}
]

Der Zusammenhang zwischen Frequenz und Winkelgeschwindigkeit lautet:

[
\omega = 2\pi f
]

Bei einer Frequenz von 50 Hz ergibt sich:

[
\omega = 2\pi \times 50
]

[
\omega \approx 314{,}16\ \text{rad/s}
]

Dies entspricht einer Drehzahl von:

[
n = 50 \times 60
]

[
n = 3000\ \text{min}^{-1}
]

Winkelgeschwindigkeit und Umfangsgeschwindigkeit

Alle Punkte eines starren, rotierenden Körpers besitzen dieselbe Winkelgeschwindigkeit. Ihre lineare Geschwindigkeit ist jedoch nicht gleich.

Die Umfangsgeschwindigkeit hängt zusätzlich vom Abstand zur Drehachse ab:

[
v = \omega \times r
]

Dabei gilt:

  • (v): Umfangsgeschwindigkeit in m/s
  • (\omega): Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • (r): Radius in m

Je weiter ein Punkt von der Drehachse entfernt ist, desto größer ist seine Umfangsgeschwindigkeit.

Direkt auf der Drehachse gilt:

[
r = 0
]

Damit ergibt sich:

[
v = 0
]

Obwohl sich der Körper dreht, besitzt ein Punkt genau auf der Drehachse keine Umfangsgeschwindigkeit.

Beispiel: Umfangsgeschwindigkeit eines Fräsers

Ein Fräser hat einen Durchmesser von 20 mm.

Der Radius beträgt:

[
r = 10\ \text{mm} = 0{,}01\ \text{m}
]

Bei einer Drehzahl von 3.000 min⁻¹ beträgt die Winkelgeschwindigkeit:

[
\omega \approx 314{,}16\ \text{rad/s}
]

Damit ergibt sich die Umfangsgeschwindigkeit:

[
v = 314{,}16 \times 0{,}01
]

[
v \approx 3{,}14\ \text{m/s}
]

Umgerechnet auf Meter pro Minute:

[
v = 3{,}14 \times 60
]

[
v \approx 188{,}5\ \text{m/min}
]

Dieser Wert entspricht der Schnittgeschwindigkeit an der äußeren Schneide des Fräsers.

Zusammenhang mit der Schnittgeschwindigkeit

In der Zerspanung wird die Umfangsgeschwindigkeit an der Werkzeug- oder Werkstückoberfläche als Schnittgeschwindigkeit bezeichnet.

Sie wird meistens mit folgender Formel berechnet:

[
v_c = \frac{\pi \times d \times n}{1000}
]

Dabei gilt:

  • (v_c): Schnittgeschwindigkeit in m/min
  • (d): Werkzeug- oder Werkstückdurchmesser in mm
  • (n): Drehzahl in min⁻¹

Die Formel kann auch aus der Winkelgeschwindigkeit hergeleitet werden:

[
v_c = \omega \times r
]

Dabei müssen die Einheiten entsprechend umgerechnet werden.

Gleiche Winkelgeschwindigkeit, unterschiedliche Bahngeschwindigkeit

Betrachtet man zwei Punkte auf demselben rotierenden Körper, besitzen beide dieselbe Winkelgeschwindigkeit.

Beispiel:

  • Punkt A liegt 10 mm von der Drehachse entfernt.
  • Punkt B liegt 100 mm von der Drehachse entfernt.

Bei einer Winkelgeschwindigkeit von 10 rad/s gilt:

[
v_A = 10 \times 0{,}01 = 0{,}1\ \text{m/s}
]

[
v_B = 10 \times 0{,}1 = 1\ \text{m/s}
]

Punkt B bewegt sich mit der zehnfachen Umfangsgeschwindigkeit, obwohl beide Punkte denselben Winkel in derselben Zeit zurücklegen.

Konstante Winkelgeschwindigkeit

Bei einer konstanten Winkelgeschwindigkeit dreht sich ein Körper gleichmäßig. In gleichen Zeitabschnitten werden gleiche Winkel zurückgelegt.

Beispiel:

Eine Spindel dreht sich konstant mit 1.000 min⁻¹. Solange die Drehzahl unverändert bleibt, ist auch die Winkelgeschwindigkeit konstant.

Eine konstante Winkelgeschwindigkeit bedeutet nicht, dass auf den Körper keine Kräfte wirken. Der Körper benötigt weiterhin eine zur Drehachse gerichtete Zentripetalbeschleunigung, damit seine Punkte auf Kreisbahnen bleiben.

Veränderliche Winkelgeschwindigkeit

Ändert sich die Winkelgeschwindigkeit, wird der Körper beschleunigt oder abgebremst.

Beispiele sind:

  • Hochlauf einer CNC-Spindel
  • Abbremsen vor einem Werkzeugwechsel
  • Beschleunigung eines Rundtischs
  • Richtungswechsel einer Drehachse
  • Schwenken eines Fräskopfs
  • Positionieren eines Werkzeugrevolvers

Die Änderung der Winkelgeschwindigkeit wird als Winkelbeschleunigung bezeichnet.

Winkelbeschleunigung

Die Winkelbeschleunigung beschreibt die Änderung der Winkelgeschwindigkeit pro Zeit:

[
\alpha = \frac{\Delta \omega}{\Delta t}
]

Dabei gilt:

  • (\alpha): Winkelbeschleunigung in rad/s²
  • (\Delta \omega): Änderung der Winkelgeschwindigkeit
  • (\Delta t): Zeitdauer der Änderung

Beispiel:

Eine Spindel wird innerhalb von zwei Sekunden von 0 auf 200 rad/s beschleunigt.

[
\alpha = \frac{200-0}{2}
]

[
\alpha = 100\ \text{rad/s}^2
]

Eine hohe Winkelbeschleunigung ermöglicht kurze Nebenzeiten, erzeugt jedoch größere Belastungen auf Antrieb, Lager, Werkzeug und Werkstückspannung.

Winkelgeschwindigkeit und Drehmoment

Um einen Körper zu beschleunigen oder eine Bearbeitungskraft zu überwinden, ist ein Drehmoment erforderlich.

Der Zusammenhang zwischen Drehmoment, Massenträgheitsmoment und Winkelbeschleunigung lautet:

[
M = J \times \alpha
]

Dabei gilt:

  • (M): Drehmoment in Nm
  • (J): Massenträgheitsmoment in kg·m²
  • (\alpha): Winkelbeschleunigung in rad/s²

Je größer das Massenträgheitsmoment ist, desto mehr Drehmoment wird benötigt, um eine bestimmte Winkelbeschleunigung zu erreichen.

Ein großer Rundtisch mit schwerem Werkstück lässt sich deshalb nicht so schnell beschleunigen wie eine leichte Spindel.

Winkelgeschwindigkeit und Leistung

Bei einer rotatorischen Bewegung ergibt sich die mechanische Leistung aus Drehmoment und Winkelgeschwindigkeit:

[
P = M \times \omega
]

Dabei gilt:

  • (P): Leistung in Watt
  • (M): Drehmoment in Nm
  • (\omega): Winkelgeschwindigkeit in rad/s

Beispiel:

Eine Spindel liefert ein Drehmoment von 20 Nm bei einer Winkelgeschwindigkeit von 300 rad/s.

[
P = 20 \times 300
]

[
P = 6000\ \text{W}
]

[
P = 6\ \text{kW}
]

Bei gleicher Leistung nimmt das verfügbare Drehmoment mit steigender Winkelgeschwindigkeit ab.

Winkelgeschwindigkeit einer CNC-Spindel

Bei einer CNC-Fräsmaschine wird die gewünschte Spindeldrehzahl meistens über die Adresse S vorgegeben.

Beispiel:

S5000 M03

Die Spindel startet mit einer Drehzahl von 5.000 min⁻¹ im Rechtslauf.

Die zugehörige Winkelgeschwindigkeit beträgt:

[
\omega = \frac{2\pi \times 5000}{60}
]

[
\omega \approx 523{,}60\ \text{rad/s}
]

Die CNC-Steuerung regelt den Spindelantrieb so, dass die vorgegebene Drehzahl möglichst genau eingehalten wird.

Winkelgeschwindigkeit beim CNC-Drehen

Beim CNC-Drehen führt normalerweise das Werkstück die rotatorische Hauptbewegung aus.

Bei konstanter Drehzahl bleibt die Winkelgeschwindigkeit gleich. Die Schnittgeschwindigkeit verändert sich jedoch mit dem Werkstückdurchmesser.

Beim Plandrehen nimmt der Durchmesser in Richtung Werkstückmitte ab. Deshalb sinkt bei konstanter Winkelgeschwindigkeit die Schnittgeschwindigkeit.

Bei einer konstanten Schnittgeschwindigkeit erhöht die CNC-Steuerung dagegen die Spindeldrehzahl und damit die Winkelgeschwindigkeit, wenn sich das Werkzeug der Werkstückmitte nähert.

Die maximale Drehzahl muss dabei begrenzt werden, damit zulässige Werte von Maschine, Spannfutter und Werkstück nicht überschritten werden.

Winkelgeschwindigkeit von CNC-Drehachsen

Bei A-, B- und C-Achsen wird die Position häufig in Grad und die Bewegungsgeschwindigkeit in Grad pro Minute angegeben.

Beispiel:

Eine C-Achse dreht sich mit:

[
600^\circ/\text{s}
]

Zur Umrechnung in rad/s gilt:

[
\omega = 600 \times \frac{\pi}{180}
]

[
\omega \approx 10{,}47\ \text{rad/s}
]

Die tatsächliche Umfangsgeschwindigkeit eines Punkts auf dem Werkstück hängt wiederum von dessen Abstand zur Drehachse ab.

Positionierende Drehachsen

Bei einer positionierenden Drehachse wird eine bestimmte Winkelposition angefahren.

Beispiel:

B90

Die B-Achse fährt auf 90°.

Für die Bearbeitungszeit ist nicht nur der zurückzulegende Winkel entscheidend, sondern auch:

  • maximale Winkelgeschwindigkeit
  • Winkelbeschleunigung
  • Abbremsweg
  • Werkstückmasse
  • Massenträgheitsmoment
  • Klemmzeit
  • Steuerungsparameter

Nach dem Positionieren wird die Achse häufig geklemmt.

Simultane Drehachsen

Bei der simultanen Vier- oder Fünfachsbearbeitung bewegen sich Dreh- und Linearachsen gleichzeitig.

Die CNC-Steuerung muss die Achsgeschwindigkeiten so berechnen, dass die Werkzeugspitze mit dem programmierten Bahnvorschub entlang der gewünschten Kontur geführt wird.

Dabei ist zu beachten:

  • gleiche Winkelgeschwindigkeit erzeugt bei unterschiedlichen Radien unterschiedliche Bahngeschwindigkeiten
  • große Werkstückabstände zur Drehachse führen zu hohen Umfangsgeschwindigkeiten
  • begrenzte Achsgeschwindigkeiten können den gesamten Bahnvorschub reduzieren
  • starke Beschleunigungen können Ruck und Oberflächenfehler verursachen

Winkelgeschwindigkeit beim Rundtisch

Ein CNC-Rundtisch kann entweder positionierend oder kontinuierlich eingesetzt werden.

Bei der Positionierung ist eine kurze Drehzeit wichtig. Bei einer kontinuierlichen Bearbeitung muss die Winkelgeschwindigkeit genau mit den Linearachsen synchronisiert werden.

Typische Anwendungen sind:

  • Lochbilder
  • Mehrseitenbearbeitung
  • Gravuren auf Zylindern
  • Wälzfräsen
  • spiralförmige Nuten
  • Vierachsbearbeitung
  • Fünfachsbearbeitung

Messung der Winkelgeschwindigkeit

Die Winkelgeschwindigkeit kann auf unterschiedliche Weise ermittelt werden.

Mögliche Messmittel sind:

  • Drehzahlmesser
  • optischer Sensor
  • Laser-Drehzahlmesser
  • Drehgeber
  • Resolver
  • Tachogenerator
  • Spindelencoder
  • CNC-Antriebsregelung

Die Drehzahl wird gemessen und anschließend in die Winkelgeschwindigkeit umgerechnet.

Bei CNC-Drehachsen werden hochauflösende Drehgeber verwendet, um sowohl Winkelposition als auch Winkelgeschwindigkeit zu erfassen.

Bedeutung der Winkelgeschwindigkeit für die Zerspanung

Die Winkelgeschwindigkeit beeinflusst direkt:

  • Schnittgeschwindigkeit
  • Spanbildung
  • Werkzeugverschleiß
  • Oberflächenqualität
  • Bearbeitungszeit
  • Spindelleistung
  • benötigtes Drehmoment
  • Fliehkräfte
  • Lagerbelastung
  • Schwingungsverhalten

Eine zu niedrige Winkelgeschwindigkeit kann zu ungünstiger Spanbildung und langen Bearbeitungszeiten führen.

Eine zu hohe Winkelgeschwindigkeit kann verursachen:

  • erhöhten Werkzeugverschleiß
  • Überhitzung
  • Vibrationen
  • Unwucht
  • Lagerbelastung
  • Werkzeugbruch
  • Überschreitung zulässiger Drehzahlen

Fliehkräfte

Bei einer Rotation entstehen Kräfte, die mit zunehmender Winkelgeschwindigkeit stark ansteigen.

Die Zentrifugalkraft lässt sich berechnen mit:

[
F = m \times \omega^2 \times r
]

Dabei gilt:

  • (F): Zentrifugalkraft in N
  • (m): Masse in kg
  • (\omega): Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • (r): Abstand zur Drehachse in m

Da die Winkelgeschwindigkeit quadratisch in die Berechnung eingeht, vervierfacht sich die Zentrifugalkraft, wenn die Winkelgeschwindigkeit verdoppelt wird.

Dieser Zusammenhang ist besonders wichtig bei:

  • Spannfuttern
  • großen Werkzeugen
  • asymmetrischen Werkstücken
  • Rundtischen
  • Schleifscheiben
  • Hochgeschwindigkeitsspindeln

Unwucht

Eine ungleichmäßige Masseverteilung um die Drehachse erzeugt eine Unwucht.

Mit steigender Winkelgeschwindigkeit nehmen die daraus entstehenden Kräfte deutlich zu.

Mögliche Folgen sind:

  • Vibrationen
  • schlechte Oberflächen
  • erhöhte Lagerbelastung
  • Geräuschentwicklung
  • geringere Werkzeugstandzeit
  • Spindelschäden

Werkzeuge, Werkzeughalter und Werkstücke müssen deshalb für hohe Drehzahlen ausreichend ausgewuchtet sein.

Häufige Fehler bei Berechnungen

Drehzahl und Winkelgeschwindigkeit verwechselt

Die Drehzahl wird meistens in min⁻¹ angegeben. Die Winkelgeschwindigkeit wird in rad/s angegeben.

Minuten nicht in Sekunden umgerechnet

Bei der Umrechnung von Drehzahl in Winkelgeschwindigkeit muss durch 60 geteilt werden.

Durchmesser statt Radius verwendet

In der Formel:

[
v = \omega \times r
]

muss der Radius eingesetzt werden, nicht der Durchmesser.

Millimeter nicht in Meter umgerechnet

Soll die Umfangsgeschwindigkeit in m/s berechnet werden, muss der Radius in Metern eingesetzt werden.

Grad und Radiant verwechselt

Physikalische Formeln zur Winkelgeschwindigkeit erwarten den Winkel normalerweise im Bogenmaß.

Maximale Drehzahl nicht berücksichtigt

Eine theoretisch berechnete Drehzahl darf die zulässigen Grenzen von Maschine, Werkzeug, Spannmittel und Werkstück nicht überschreiten.

Sicherheit

Hohe Winkelgeschwindigkeiten können sehr große Fliehkräfte und gespeicherte Bewegungsenergien erzeugen.

Vor dem Betrieb müssen kontrolliert werden:

  • zulässige Spindeldrehzahl
  • zulässige Werkzeugdrehzahl
  • Spannfuttergrenze
  • Werkstückspannung
  • Werkzeugspannung
  • Rundlauf
  • Unwucht
  • Werkzeugauskragung
  • Zustand von Lagern und Aufnahmen
  • geschlossene Schutzeinrichtung

Die Drehzahlgrenze eines Spannfutters, einer Schleifscheibe oder eines Werkzeugs darf niemals überschritten werden.

Abgrenzung wichtiger Größen

GrößeBedeutungTypische Einheit
Drehwinkel (\varphi)Zurückgelegter WinkelGrad oder rad
Winkelgeschwindigkeit (\omega)Winkeländerung pro Zeitrad/s
Winkelbeschleunigung (\alpha)Änderung der Winkelgeschwindigkeitrad/s²
Drehzahl (n)Umdrehungen pro Zeitmin⁻¹
Frequenz (f)Umdrehungen pro SekundeHz
Umfangsgeschwindigkeit (v)Lineare Geschwindigkeit auf der Kreisbahnm/s
Schnittgeschwindigkeit (v_c)Umfangsgeschwindigkeit beim Zerspanenm/min
Drehmoment (M)Drehwirkung einer KraftNm

Bedeutung in der CNC-Technik

Die Winkelgeschwindigkeit verbindet die Drehbewegung einer Spindel oder Drehachse mit physikalischen Größen wie Umfangsgeschwindigkeit, Schnittgeschwindigkeit, Leistung und Fliehkraft.

Sie ist wichtig für:

  • Auslegung von Spindelantrieben
  • Berechnung der Schnittgeschwindigkeit
  • Regelung von Drehachsen
  • Fünfachsinterpolation
  • Berechnung von Beschleunigungszeiten
  • Auslegung von Rundtischen
  • Überwachung zulässiger Drehzahlen
  • Analyse von Unwucht und Fliehkräften
  • Bestimmung der benötigten Leistung

Fazit

Die Winkelgeschwindigkeit beschreibt, wie schnell sich der Drehwinkel eines Körpers mit der Zeit verändert. Ihr Formelzeichen ist (\omega), ihre SI-Einheit ist Radiant pro Sekunde.

Aus einer Drehzahl in Umdrehungen pro Minute wird die Winkelgeschwindigkeit mit folgender Formel berechnet:

[
\omega = \frac{2\pi n}{60}
]

Alle Punkte eines starren rotierenden Körpers besitzen dieselbe Winkelgeschwindigkeit. Ihre Umfangsgeschwindigkeit ist jedoch abhängig vom Abstand zur Drehachse.

In CNC-Maschinen ist die Winkelgeschwindigkeit besonders für Spindeln, Rundtische sowie A-, B- und C-Achsen von Bedeutung. Sie beeinflusst Schnittgeschwindigkeit, Bearbeitungsleistung, Beschleunigung, Fliehkräfte und die sichere Auslegung rotierender Komponenten.

EMPATEC · EMPA-WIKI https://empatec-cnc.ch/empa-wiki/winkelgeschwindigkeit/ Stand: 22.08.2026
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